Dies ist die Übersicht der Kurzfilmkompilationen. Jede der 60- bis 90-minütigen Zusammenstellungen setzt thematische Schwerpunkte und ist das Ergebnis eines kuratorischen Umgangs mit den eingereichten Arbeiten. Alle Kurzfilme werden ausschließlich in den jeweiligen kuratierten Kompilationen gebündelt zur Ansicht angeboten.

Die ersten Filme sind ab Montag, 23:59 Uhr nicht mehr als DokfestStream verfügbar. Da jeder Film nur für sechs Tage ab der ursprünglich geplanten Präsentation im Kino verfügbar ist (siehe www.kasselerdokfest.de oder im Katalog-PDF), verschwinden die Kompilationen nun nach und nach.

Bis zum 27.11. endet das Programm des 37. Kasseler Dokfestes nun sukzessive.

     

Samstag, 21.11. bis Donnerstag, 26.11. 23:59

 

Kunst Kinks

Zwischen Protest und Kompliz*innenschaft navigieren die Protagonist*innen des Programms KUNST KINKS durch strukturelle und institutionelle Abgründe des Kunstbetriebs. Sie nehmen Haltungen an und ein, schaffen sich Raum, hadern mit den Zwängen, denen sie sich – nicht nur – in der Kunst ausgesetzt sehen, suchen nach Möglichkeiten der Devianz, des Widerstands und des Humors. Die Orte dieser Widerständigkeit reichen dabei vom plüschigen Wohnzimmer bis zum queeren Underground-Kunstraum, die Strategien von kinky Subversion zu künstlerischer Selbsttherapie.

Less Lethal Fetishes / Thirza Cuthand / 9' // Like You Really Mean It / Ale Bachlechner / 13' // TIGHTS / Helen Lanwehr, Judith Greitemann, Angela Queins / 12' // Subjekträume (Subject Spaces) / Katharina Voß / 29' // Una di Voi (One of You) / Eva Hegge / 12' (5 Filme, 75 Min.)

 

  

Sein können

Das Konzept des Ableismus stammt aus den eng mit der Behindertenbewegung verbundenen US-amerikanischen Disability Studies und reagiert auf die Diskriminierung, die Menschen aufgrund von körperlichen Einschränkungen oder neurologischer Diversität erfahren. Was ein Individuum leisten oder können muss, ist im kollektiven Unbewussten eingeschrieben und jede Abweichung davon wird als Ausnahme mit negativen Konsequenzen gehandhabt. Die Filme im Programm zeigen unterschiedliche Positionen über die Legitimität des Andersseins / Anderswerdens, und offenbaren, wie die normative Gesellschaft auf diese Personen oft mit medizinischen Korrekturen und ausgrenzenden Anpassungsstrategien reagiert. Ein Plädoyer für mehr individuelles und strukturelles Engagement, um das „nicht können“ der Menschen nicht als Defizit zu verstehen – sondern als Chance für mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit.

Dots / Ann Oren / 4' // My Own Landscapes / Antoine Chapon / 19' // Frenulum / Henry Bradley / 4' // zwischen mir und der Welt / aufräumen / Michaela Schwentner / 24' // In Her Boots / Kathrin Steinbacher / 6' // Sugar / Bjørn Melhus / 20' (6 Filme, 77 Min.)

 

  

Die Unendlichkeit radikaler Schwarzer Imagination

Das Hinterfragen und Aufbrechen von Kanon, die (Un)möglichkeiten der Reparation und die Transzendenz der Kontinuitäten gewaltvoller, kolonialer weißer Dominanz. Radikale Imagination, radikales Aufzeigen, Unendliche Radikalitäten. Die feindliche Umwelt entlarven, brechen um widerständig immer dagewesene neue Erzählungen, neue Welten hervorzubringen und somit lineare Erzählungen von Historie und das Unsichtbarmachen von Unterdrückung, roher Gewalt wie auch resilienter Realitäten zu zersetzen.

Claudette's Star / Ayo Akingbade / 6' // South / Morgan Quaintance / 28' // Infinity Minus Infinity / The Otolith Group / 60' (3 Filme, 94 Min.)

 

  

Abgelegt

Die Komplexität der Welt zu verstehen, ist eines der wichtigen Ziele der Wissenschaft. Dafür wurden Ordnungen und Kategorien geschaffen, die einheitlich und unter ausgesuchten Kriterien die Objekte der Welt in Schubladen abgelegt haben. Jenseits ihrer Funktionalität produzieren diese Klassifizierungen Hierarchien, welche die dominanten Ideologien und Mächte widerspiegeln. Die Filme im Programm fokussieren sich auf die taxonomischen Methoden der Naturwissenschaften, die für die normierten Anordnungen von Tieren und Pflanzen gesorgt haben: vom Mittelalter bis zur Gegenwart, von Lehrfilmen bis zum Samenarchiv, von Tierprozessen bis hin zu monströsen Geschöpfen.

Prelude (Sentimental Study) / Hilda Daniel / 1' // ['zi:lo]5 / Kerstin Honeit / 17' // Bugs and Beasts Before the Law / Bambitchell / Sharlene Bamboat & Alexis Mitchell / 32' // A Demonstration / Beny Wagner, Sasha Litvintseva / 25' (4 Filme, 75 Min.)

 

  

Sich verwandt machen

Kin statt Kinder propagiert Donna Harraway. Wie konstruieren sich Beziehungshaftigkeit und Bezogenheit? Wie leben wir Gemeinschaft, An- und Zugehörigkeit abseits der Konstruktion heteronormativer Familienkonzepte? Explo-rationen von Verbindung, Freund*innenschaft, Liebe und Fürsorge.

Barbès / Randa Maroufi / 6' // Mat et les gravitantes (Mat and Her Mates) / Pauline Penichout / 26' // Come Coyote / Dani Leventhal Restack, Sheilah Restack / 8' // Saturnrania / Holly McLean / 5' // A Dança do Cipreste (The Cypress Dance) / Mariana Caló, Francisco Queimadela / 37' (5 Filme, 82 Min.)

 

Sonntag, 22.11. bis Freitag, 27.11. 23:59 Uhr

 

Das schönste Bild

Ob es um die Gestaltung des eigenen Körpers geht, die Inszenierung eines marktkompatiblen Bäuer*innen-Images, um nervenzehrende Beziehungsarbeit oder die erotisch aufgeladene Faszination für einen Berg – die vier Filme des Programms DAS SCHÖNSTE BILD stellen die Prozesse des Bildermachens, des Abbildens und der Vorstellung in den Mittelpunkt. Ein Weltstar-Bodybuilder sinniert über seinen Sport als Kunst, eine junge Filmemacherin sucht die ideale Online-Inszenierung des Familienbetriebs, ein lebendes Gemälde erzählt von entzauberten Partnerschaften und ein Fotograf ist auf der Suche nach einem Lehrmeister.

 

Arnold Schwarzenegger – The Art of Bodybuilding / Babeth M. VanLoo / 8' // Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Terms and Conditions) / Amelie Befeldt / 20' // Ich schenke dir ein Lächeln (I Give You a Smile) / Carolin Schmitz / 11' // Fujinoyamai (Fujinoyamai (Incurable Disease)) / Sasha Tamarin / 29' (4 Filme, 68 Min.)

 

  

Einfach sehen

Die Auseinandersetzung mit dem Kinodispositiv und mit der Interpretation der Bilder ist das zentrale Thema dieses Filmprogramms. Wie wir die Bilder sehen und was wir in den Bildern sehen wird aus verschiedenen Perspektiven durchdekliniert: Die Leinwand – unsichtbar wenn die Bilder projiziert werden– wird als skulpturales Element dargestellt und in Naturlandschaften platziert; ein methodisches Experiment versucht das Standardprojektionssystem DCP für eine künstlerisch-subversive Filmpraxis zu gewinnen und scheitert dabei; technisch-operative Visualisierungen zeigen die geothermischen Fluktuationen des Vesuvius und lassen ihn durch Sensoren und Bilder der Kulturgeschichte sprechen; Online-Communities, Verschwörungen, und Amateurdetektive stellen die Wahrheit der Bilder in Frage und bieten neue Interpretationen der Realität nach Wunsch.

A Proposal to Project in Scope / Viktoria Schmid / 8' // Testfilm #1 / Telcosystems / 14' // Insolite / Maya Schweizer / 11' // Forensickness / Chloé Galibert-Laîné / 40' (4 Filme, 73 Min.)

 

  

 
Lese-Hörverständnis

Sprache als dominantes Referenzsystem in unserer Kommunikation, schafft Ausdruck, Verbindung und strukturiert Identitäten. Was wir sehen, ist was wir lesen, ist was wir hören? Eben nicht. Bedeutungen entstehen oftmals in der Differenz. Lese-Hörverständnis verhandelt die Dekonstruktion und Neuanordnung von textbasierten Bedeutungssystemen, codierten Kommunikationsweisen und filmische Sprachen des Dazwischens.

Babel / Meggy Rustamova / 8' // multitask / Ksti Hu / 3' // Trust Study #1 / Shobun Baile / 15' // The Machine / Marieke van der Lippe / 16' // Territorial Fight / Sarah Hablützel, Marko Mijatovic / 9' // Quid pro quo / Anastasia Melia Eleftheriou / 7' // The Last Letter / Binyuan Li / 17' (7 Filme, 75 Min.)

 

 

Koordinaten der Erinnerung

Eine Wartehalle in Belfast, ein verlassenes Dorf in Syrien, eine alte Fabrik in Immenhausen: Orte sind nicht nur Marker auf der Landkarte, sondern auch Koordinaten der Erinnerung. Hier bündeln sich Geschichten des Lebens und die Momente des Umbruchs, des Abschieds und des Neuanfangs. Auf der Suche nach historischen Ereignissen und ihrer Präsenz in der Gegenwart, sehen wir eine Rollschuhfahrt auf dem Tian’anmen-Platz, ein Picknick an der europäischen Grenze und ein Reise nach New York unter den Vorzeichen der Pandemie: jeder Erinnerungsort ist politisch und persönlich zugleich.

A Letter from Raqqa / Arash Asadi / 9' // fragmented reality / Alix Kokula / 4' // Borders and Boundaries / Alejandra Montoya / 3' // PIKNIK / Silke Körber / 16' // Duldung / Hanna Baumgarten / 2' // We Are Still Searching / Niels Walter / 2' // Forbidden City / scater girl / Catrine Val / 3' // Kafkaland / Tobi Sauer / 6' // das HAUS (the HOUSE) / Kerstin Rupprecht, Tim König / 12' // Abschied / Karl Brunnengräber / 15' (10 Filme, 72 Min.)